Sommerpremiere (Mai 2025)
Der erste warme Tag, an den man sich erinnert. Die Wiese ist saftig grün, der Bodensee schimmert in der Tiefe wie ein blaues Band, am Horizont liegen die Berge unter wolkenlosem Himmel. Der Pilot kniet am Hang, weisser Cap auf dem Kopf, das fertig montierte Modellsegelflugzeug daneben – eine schlanke Solius von MPX. Zwischen Vorfreude und Konzentration ein kleines Ritual: das Cap zurechtrücken, kurz lächeln. Und unweigerlich der heimliche Star des Tages: der schwarz-braune Hund, der zufrieden im hohen Gras sitzt, Zunge raus, als wüsste er, dass dies der Auftakt einer langen Geschichte wird.



Wintergrau (Februar 2026)
Neun Monate später, dieselbe Kuppe – aber alles ist anders. Die Wiese ist stumpfes Braun, dazwischen Schneereste. Der Himmel hängt bleischwer über dem See, die Stadt am Ufer wirkt aus der Vogelperspektive wie auf einer alten Postkarte. Der Pilot steht im knallorangen Daunenparka, allein. Am Boden liegen die zerlegten Tragflächen der mit einigen Carbon Einlagen verbesserte Solius von Multiplex, daneben ein kahler Lärchenstamm. Es ist der Moment, in dem man sich fragt: warum tu ich mir das an? Aber dann schraubt man trotzdem weiter, weil der Hang ruft, auch im Winter.


Vorfrühling (März 2026)
Zwei Wochen später kippt die Stimmung. Die Sonne hat wieder Kraft, im Hintergrund grünen die ersten Nadelhölzer, und der Pilot trägt nur noch eine blaue Daunenjacke, dazu ein zufriedenes Lächeln. Vor ihm liegt ein neues Modell, eine Robbe EVOA 3.0, weiss-rot lackiert, frisch und bereit. Auf dem zweiten Bild kniet er stolz daneben – Hand am Heck, Pose wie bei einer Trophäe. Es ist die Phase, in der die Saison atmet, wo aus dem Trotz wieder echte Lust wird.


Höhenflug (Mai 2026)
Der grosse Tag. Diesmal kommt er nicht allein an den Hang: ein Freund steht neben ihm, beide grinsen breit ins Objektiv, hinter ihnen liegen vier, fünf Modellsegler im Gras aufgereiht – gelbe, weisse, schwarz-weiss karierte Tragflächen, das ganze Spektrum. Choco Attacko EVO 2.8, Choco Avanti EVO 3.3, die Robbe EVOA 3.0 und die FMS ASW 17. Es ist Gipfeltreffen, beinahe Pilotenversammlung. Der Pilot in weissem Hemd und roter Cap steht später konzentriert unter einem alten Baum, Sender in beiden Händen, Blick in den Himmel – man sieht nichts vom Modell, aber man spürt, dass es genau dort oben kreist, wo der Blick hingeht. Und dann das letzte Bild: ein einzelner roter Segler, allein auf der grünen Hangkante, im Hintergrund der Bodensee, Felder, Strassen, Leben. Klein, ruhig, riesig zugleich.




Hommage an 1934 (Mai 2026)
Zum Abschluss des Tages kommt noch etwas Besonderes aus der Tasche: ein detailgetreuer Nachbau eines Segelflugzeugs aus dem Jahr 1934 – eine Weihe (oder eines ihrer Geschwister aus jener Pioniergeneration der 30er-Jahre, als das Segelfliegen in der Rhön und am Hornberg gerade erst zur eigenen Disziplin wurde). Schlanker Holzrumpf-Look, typischer Knick in den Tragflächen, charakteristische rote Flügelspitze – ein Modell, das nicht mit Geschwindigkeit beeindruckt, sondern mit der Stille, mit der es sich an den Hangwind schmiegt.
Auf dem Foto liegt es allein auf der grünen Hangkante, im Hintergrund der Bodensee weit unten – kleines Modell, riesiges Panorama. Genau dieser Massstab macht den Reiz aus: knapp zwei Meter Spannweite, aber im Geist die ganze Romantik der frühen Segelflugzeit. Die beiden Videos halten fest, wie der Klassiker tatsächlich abhebt – langsam, ruhig, fast schwebend, so wie es 1934 wohl auch gewesen sein muss.
Danke an Ivo Lehner.

